Über Bühnenhypnose

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Hypnotische Trance ermöglicht gewohnte
Vorstellungen und die Begrenzungen des
Alltagsdenkens hinter sich zu lassen

Über Bühnenhypnose

Hypnose fasziniert die Menschen von jeher, weil sich mit ihr der mystische Glaube verbindet, Dinge jenseits der Vernunft zu erfahren. Außerdem besteht die magische Vorstellung von einer besonderen Macht, die durch die Hypnose ausgeübt werden könne. Eine solche Auffassung kommt manchen Menschen entgegen, da sie einerseits die Hypnotisand*in von Verantwortung für ihr Handeln befreit und andererseits dem Hypnotiseur (meist ein Mann) das Gefühl von Omnipotenz verleiht. In der Bühnenhypnose findet diese Inszenierung vor applaudierendem Publikum statt, was beiden Darsteller*innen schmeichelt und sie in der Situation zu Verbündeten macht.

Die dabei gezeigten Hypnose-Phänomene haben allerdings mit hypnotischer Trance meist nur wenig zu tun. Es handelt sich vielmehr um ein komplexes sozialpsychologisches Phänomen, bei dem auch hypnotische Trance eine Rolle spielen kann. Zunächst achtet der Bühnenhypnotiseur darauf, dass für die Vorführung nur kooperative Personen ausgewählt werden. Dafür hat er einen guten Blick und bedient sich kleiner Proben der Folgsamkeit auf seine Suggestionen: Schwanken des Körpers, Unfähigkeit, die Augenlider zu öffnen, Zusammenkleben der verschränkten Hände und Ähnliches. Dann wird ein eindrucksvoller Rahmen geschaffen mit rituellen Gesten wie: mit der Haand über die Lider der Proband*in streichen, um sie zu schließen, überraschendes Hochreißen des Armes oder nach vorn Drücken des Kopfes (als würde der Proband*in einen Diener machen), und Intimitäten wie ins Gesicht pusten, den Kopf gegen die Schulter des Hypnotiseurs lehnen, Ritualsätze wie „Schlaf“ „Jetzt bist du wach“, verbunden mit Fingerschnippen. Dazu gehört auch das Hinwerfen des Probanden, das wie eine erschreckende Unterwerfung (väterliche Autorität) mit anschließendem Auffangen (mütterliche Fürsorge) wirkt. Und das Ganze untermalt mit geheimnisvollem Licht- und Klangeffekten. Am Ende resultiert eine klare Hierarchie: Die Proband*innen liegen am Boden, der Meister schreitet über sie hinweg.

Die dann gezeigten sogenannten „hypnotischen“ Effekte sind alle ohne Hypnose durchführbar wie genauere Untersuchungen gezeigt haben. So z.B. die „hypnotische Planke“, bei der die Proband*in nur an den Füßen und dem Nacken unterstützt zwischen Stühlen schwebt. Fast alle gesunden Menschen können die dazu nötige Körpersteifheit auch ohne Hypnose ein bis zwei Minuten herstellen. Ganz abgesehen von den lächerlichen Darbietungen wie ein Huhn zu gackern, so zu tun, als sei ein Schuh eine Katze, die man streichelt oder ein Stuhl sei die/der Liebste, mit der/man man tanzt.

Bemerkenswert daran ist, dass sich Menschen dazu hergeben, Dinge zu tun, für die sie sich nachher u.U. schämen. Das lässt sich am ehesten dadurch erklären, dass vermutlich die meisten Menschen alberne, obszöne und auch destruktive Impulse haben, die man als zivilisierter Büger für sich behält. Aber in der Showhypnose kann man sich erlauben, diese Seiten zu zeigen, denn der Hypnotiseur wie auch der Volksglaube behaupten ja, man könne gar nicht anders, als den Anordnungen zu folgen. Die Proband*in ist von der Verantwortung für den Unsinn, den sie mit veranstaltet, entlastet. D.h., man kann mal „die Sau raus lassen“, was sich manche Menschen in anderen Kontexten dadurch gestatten, dass sie sich betrinken und am nächsten Morgen bedauernd erklären, sie seien eben beschwipst gewesen. Insofern kann man die Bühnenhypnose als Kult betrachten, bei dem es wie im Fasching im begrenzten Rahmen gestattet ist, über die Stränge zu schlagen und der zivilisatorischen Zwangsmoral kurzfristig zu entkommen.

Hinzu kommt, dass es den meisten Menschen schwerfällt, Spielverderber zu sein, nachdem sie sich einmal auf die Darstellung vor Publikum eingelassen haben. Die Widerspenstigen werden ohnehin vorher aussortiert. Dass manche Probanden dabei tatsächlich in Trance gehen, ist nicht ausgeschlossen.

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